Sonntag, 16.12.2018 18:35 Uhr

Herausforderung palliativmedizinische Versorgung

Verantwortlicher Autor: Lydia Budiner Berlin, 05.03.2018, 23:17 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Special interest +++ Bericht 6978x gelesen
Krebs verändert Perspektiven- Palliative Therapiesituationen auch
Krebs verändert Perspektiven- Palliative Therapiesituationen auch  Bild: Lydia Budiner

Berlin [ENA] Am 22. Februar fand die Hauptpressekonferenz des Deutschen Krebskongresses (DKK) statt. Schwerpunktthema war die palliativmedzinische Versorgung von Krebspatienten. Eine Herausforderung, denn Perspektiven ändern sich - mehr Leben oder Lebensqualität?

Palliativemedizin leitet sich von dem Wort „pallium“ (von lat. Pallium„Mantel“, palliare,„mit einem Mantel umhüllen“, „verbergen“) ab. Dabei handelt es sich um eine aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer nicht mehr heilbaren, progredienten und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung. Im Vordergrund steht die Symptomkontrolle und -linderung wie z.B. Atemnot, Schmerzen, Fatigue, Überlkeit, sowie die psychosoziale Betreuung. Diese Aufgaben werden idealer Weise durch ein transsektoriell agierendes, multidisziplinäres Palliativteam wahrgenommen. Dabei spielt auch das persönliche Umfeld des Palliativpatienten, wie z.B. Familienangehörige, Partner, Lebenssituation etc. eine wichtige Rolle.

Ziele der Palliativmedizin

Ziel ist es dem Patienten eine möglichst gute Lebensqualität bis ans Lebensende zu erhalten. Diese Betreuung kann ambulant, in einem Hospiz oder/und in einer Klinik erfolgen. Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) empfiehlt eine möglichst frühe Einbindung palliativer Unterstützung, die parallel zur onkologischen Behandlungen statt finden soll . Eine solche frühzeitige Einbindung einer palliativen Betreuung genau dann, wenn der Patient die Diagnose „unheilbar krank“ erhält, kann das Leben der Patienten verlängern. Möglichkeiten der frühzeitigen Integration, bestehen in einer ambulanten, konsiliarischen oder stationären Betreuung und sind seit 2015 gesetzlich festgeschrieben.

Trotzdem ist es bislang nicht geglückt, verbindliche Strukturen dafür zu schaffen, damit diese frühzeitige palliativmedizinische Versorgung auch beim Patienten ankommt. Geht man vom Bedarf des Patienten und seiner Angehörigen aus, kann eine palliative (Mit-) Betreuung bereits frühzeitig einsetzen. Rund 500.000 Menschen in Deutschland erhalten jedes Jahr die Diagnose Krebs – Tendenz steigend. Andererseits fehlen schon heute 70.000 Pflegekräfte insgesamt und die Situation wird sich in nächster Zeit eher nicht entspannen, denn die Anzahl an Pflegebedürftigen in Klinik und Praxis steigt aufgrund der alternden Bevölkerung in Deutschland.

Palliativteams und Palliativmedizin -Wunsch und Wirklichkeit

500.000 Menschen in Deutschland jährlich erhalten die Diagnose Krebs – Tendenz steigend. Andererseits fehlen schon heute 70.000 Pflegekräfte insgesamt und die Situation wird sich in nächster Zeit eher nicht entspannen. Gleichzeitig wird für die Attraktivität der Pflegeberufe wenig getan. Hohe Arbeitsbelastung, nicht leistungsgerechte Honorierung und wenig Selbstverantwortung machen die Pflegeberufe wenig attraktiv. Anders als in anderen europäischen Ländern, sind in Deutschland die Pflegeberufe mit wenig Handlungskompetenzen ausgestattet. Herr T. Ranztsch, Universitätsklinikum Düsseldorf, spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Pflegenotstand.

Die meisten Patienten möchten am Lebensende gerne zuhause versorgt werden. Damit stellt sich die Frage, zu welchem Zeitpunkt man diesen Wunsch in die Behandlungsprozesse integriert. Auch um potenzielle Therapieempfehlungen am Lebensende in die Lebensrealität der Betroffenen zu übersetzen, braucht es rechtzeitige Planung. Dabei sollten Palliativmediziner, Fachärzte, Hausarzt und Pflege einbezogen werden. Das setzt aber Strukturen voraus, die im Vorfeld ein palliativmedizinisches Assessment ermöglichen. Außerdem fehlen im ambulanten Sektor palliativmedizinische Beratungsangebote für Angehörige und Patienten.

Qualitätssicherung in der Palliativmedzin

Für Europa hat die ESMO (European Society of Medical Oncology) bereits 2003 ein Akkreditierungsprogramm aufgelegt für integrierte onkologische und palliative Behandlungsteams. In Deutschland. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin zertifiziert Palliativstationen in Krankenhäusern, hier wären zukünftig transsektorielle und multidisziplinäre Palliativzentren-Zertifizierungen mit dem Gedanken einer integrierten Versorgung sinnvoll. Eine qualitativ hochwertige Palliativversorgung sollte auch für den Außenstehenden erkennbar sein.

In Anbetracht eines breit gefächerten ambulanten und stationären Angebots der Hospiz- und Palliativversorgung kann der Überblick für die Betroffenen leicht verloren gehen: Mehr als 300 Palliativstationen, 200 stationäre Hospize, 300 Teams der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung, über 1500 ambulante Hospizdienste und Tausende von Einzelanbietern – noch dazu aus diversen Berufsgruppen – sind in punkto „Palliativ“ und „Hospiz“ aktiv. Deshalb ist es besonders wichtig, auch in der Adressdatenbank „Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland“ auf die entsprechenden Qualitätsmerkmale wie beispielsweise eine Zertifizierung hinzuweisen.

Es ist höchste Zeit zu handeln, um den drohenden Pflegenotstand in den Griff zu bekommen, den Beruf attraktiver zu gestalten und die Qualität der Palliativversorgung nicht nur durch Zertifizierungen sicher zu stellen, sondern auch durch Optimierung der Zusammenarbeit und Bereitstellung der Strukturen (Reduktion von Barrieren für den Zugang, Bekanntmachung der Angebote), damit die palliativmedzinischen Leistungen auch wirklich rechtzeitig bei den Patienten ankommen.

Quellen: FerrellBR,TemelJS,TeminS,Alesi ER, Balboni TA, Basch EM, et al. Integration of palliative care into standardoncologycare:American SocietyofClinicalOncologyClinical Practice guideline update. J Clin Oncol.2017;35(1):96–112. TemelJS,GreerJA,MuzikanskyA, Gallagher ER, Admane S, Jackson VA, et al. Early palliative care for patients with metastatic nonsmall-celllungcancer.NEnglJMed. 2010;363(8):733–42 TemelJS,GreerJA,El-JawahriA,Pirl WF,ParkER,JacksonVA,etal.Effects ofearlyintegratedpalliativecarein patients withlungandGI cancer: a randomized clinical trial. J Clin Oncol.2017;35(8):834–41.

BakitasMA,TostesonTD,LiZ,Lyons KD,HullJG,LiZ,etal.Earlyversus delayed initiation of concurrent palliative oncology care: patient outcomes in the ENABLE III randomized controlled trial. J Clin Oncol.2015;33(13):1438–45 http://www.esmo.org/Patients/Designated-Centres-of-Integrated-Oncology-and-Palliative-Care - (Letzter Aufruf am 04.03.2018) ( https://medizin-aspekte.de/96526-deutsche-gesellschaft-fuer-palliativmedizin-zertifiziert-palliativstationen/ (Letzter Aufruf am 04.03.2018)

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.