Donnerstag, 26.04.2018 05:47 Uhr

Köln rügt Hafen – Schiffer bezweifeln Schadstoff-These

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 10.04.2018, 20:22 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Mixed News +++ Bericht 3163x gelesen

Köln [ENA] Die Stadt Köln hat ihre Hafenbetriebe HGK AG wegen deren Informationspolitik in der Rheinauhafen-Krise gerügt, aber keinen Zeitplan für eine Lösung vorgelegt. Oberbürgermeisterin Henriette Reker bezeichnete als “bedauerlichen Vorgang”, dass das Festmachverbot ohne Information der Stadtverwaltung erfolgt sei. Der Hafen müsse die Verwaltung künftig rechtzeitige informieren.

In ihrer am Dienstag in Köln veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der SPD-Ratsfraktion erklärte Reker, durch die ohne Information der Stadtverwaltung nun entfernten Festmach-Einrichtungen hätten sich die Anlegemöglichkeiten weiter reduziert. “Der bedauerliche Vorgang wurde anlässlich eines Gesprächs mit dem Vorstand der HGK AG thematisiert, um künftig rechtzeitige Informationen gegenüber der Verwaltung sicherzustellen”, erklärte Reker. Die Stadt Köln ist zu fast 94 Prozent an der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) beteiligt.

Laut Reker ist die HGK in einem intensiven Austausch mit den Binnenschiffern, die am Rheinauhafen weiterhin ankern, aber nicht mehr festmachen könnten. Es gebe persönliche Gespräche mit Betroffenen und ständigen Kontakt zu den Verbänden der Binnenschiffer. Durch die aufgetretenen Schäden an den historischen Ufermauern sei “dringender Handlungsbedarf” entstanden und es würden mit allen Verantwortlichen erörtert, wie der Schifffahrt “neue Möglichkeiten” geschaffen werden könnten. Die vorgeschlagene “kurzfristige” Lösung durch Dalben, die unabhängig von der Ufermauer im Flussbett verankert werden könnten, erscheine auch aus Sicht der Stadtverwaltung als “die wirtschaftlich sinnvollste Lösung”.

Darüber hinaus wies Reker auf die Anfang Juni in Kraft treten Änderung der Rheinschifffahrts-Polizeiverordnung hin. Binnenschiffer müssten ab dann an den ausgewiesenen Liegeplätzen den angebotenen Landstrom nützen, da sie sonst dort nicht mehr liegen dürften. Überdies unterstütze die städtische HGK die Forderungen der Binnenschifffahrt nach einem Ausbau der Infrastruktur, wie zum Beispiel die seit vielen Jahren geforderte Rheinvertiefung.

Inzwischen äusserte der Bundesverband der deutschen Binnenschifffahrt (BDB) Zweifel an der kürzlich bekannt gewordenen Thesen, Fahrverbote in Innenstädten blieben nutzlos, weil die Binnenschifffahrt weiterhin eine Stickoxidbelastung oberhalb der zulässigen Grenzwerte verschulde. Laut Berechnungen der Bezirksregierung Düsseldorf entfielen nur sieben Prozent der Stickoxide in der Landeshauptstadt auf die Binnenschiffe; 40 Prozent der Emissionen würden durch Pkw verursacht. Bei der Beschreibung der These aus einer Masterarbeit der Universität Duisburg-Essen habe der zuständige Physikprofessor gegenüber den Medien lediglich von einem Verzicht auf „Diesel-Pkw“ gesprochen.

Die im Stadtverkehr anzutreffenden Lkw und der gesamte nahezu vollständig dieselgetriebene Liefer-, Bau- und Monteurs-Verkehr seien in der Studie offenbar nicht berücksichtigt worden, schrieb der BDB. Skeptisch macht den Interessenverband auch, dass sich ebenfalls kein Hinweis auf die zahlreichen anderen mit Diesel betriebenen Motoren finde, u.a. Lokomotiven und Triebwagen des Schienenverkehrs, Omnibusse im Nahverkehr, Heizungen sowie die Verbrennungsprozesse in der Industrie. Europaweit anerkannte oder gar normierte Messmethoden zur Ermittlung der auf die Binnenschifffahrt entfallenden Schadstoffbelastungen in den Innenstädten gebe es nicht; das Bundesverkehrsministerium habe hierzu kürzlich ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.