Freitag, 19.07.2019 18:57 Uhr

Betroffene und Reformer würdigen Beginn der Aufarbeitung

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln/Dortmund, 18.06.2019, 15:05 Uhr
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Köln/Dortmund [ENA] Betroffene und Reformer haben den Beginn kirchlicher Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs gewürdigt. Während der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln den Start des Prozesses als “gelungen” bezeichnete, kann er laut Reformbewegung Wir sind Kirche auf lange Sicht dazu führen, dass kirchlichen Institutionen wieder Vertrauen entgegengebracht werde. Dieser Weg sei “endlich begonnen” worden, müsse aber intensiviert werden.

Nach einem Gespräch mit den Sprechern des zehnköpfigen Betroffenenbeirats teilte Erzbischof Rainer Maria Woelki mit, es sei ein zentrales Anliegen bei der Aufarbeitung, “mehr mit den Betroffenen selbst zu sprechen als über sie”. Deshalb danke er den Frauen und Männern in diesem Kreis dafür, “dass sie uns noch einmal das Vertrauen schenken und mitarbeiten”. Stellvertretend für das gesamte Gremium zeigte sich Patrick Bauer zufrieden über den Beginn der Arbeit des Gremiums und sagte laut Pressedienst des Erzbistums, er habe “aktuell das Gefühl, ernst genommen zu werden”. Es brauche aber viel Zeit, um das “zutiefst zerstörte Vertrauen eines Betroffenen in Klerus, Amtskirche und Ordensleitungen wieder tragfähig zu machen”.

Dazu bedürfe es schonungsloser Aufklärung und Aufdeckung, nicht nur der Taten, sondern auch und vor allem der Vertuschung und Verdeckung durch Personalverantwortliche. Daran werde er seine Arbeit und seine Bereitschaft zur Kooperation im Betroffenenbeirat messen. “Der Start ist gelungen. Alles Weitere muss die Zeit zeigen.“ Karl Haucke, ebenfalls Beiratssprecher, sieht die Mitarbeit als Chance, weil er mit seinen Erlebnissen und Erfahrungen ernst genommen werde. Dies sei in der Kirche bisher nicht selbstverständlich gewesen. Die Beteiligung im Gremium biete Unterstützung einer Gruppe, aktiv Stellenwert und methodisches Repertoire von Aufarbeitung und Prävention zu entwickeln und in die pastorale Praxis einzubringen.

Die Reformgruppe Wir sind Kirche erklärte zum Mittwoch beginnenden Evangelischen Kirchentag in Dortmund, bevor die Kirchen wieder Hoffnungsträger werden könnten, müssten sich ihre Kirchenleitungen selber der Vertrauensfrage stellen. Die viel zu lange vertuschte sexualisierte Gewalt habe das "Vertrauen bis in die Grundfesten" zerstört. "Nur eine grundlegende Aufarbeitung und Prävention, wie sie jetzt endlich begonnen wurde, aber noch intensiviert werden muss, kann auf lange Sicht dazu führen, dass die Menschen kirchlichen Institutionen wieder Vertrauen entgegenbringen," hiess es in der Verlautbarung.

Köln hatte als erstes deutsches Bistum einen Beirat für Betroffene von sexuellem Missbrauch eingerichtet, in dem sieben betroffene Männer und drei betroffene Frauen mitarbeiten. Auf seiner zweiten Sitzung hatte sich der Betroffenenbeirat eine Geschäftsordnung gegeben und Sprecher benannt. Durch den direkten Austausch erhoffe die Kirche sich Unterstützung in der weiteren Entwicklung der Präventions- und Interventionsmaßnahmen, so Erzbischof Woelki. Insbesondere die Vernetzung zwischen dem Betroffenenbeirat und dem externen Beraterstab ermögliche einen umfassenden und unabhängigen Blick auf das Vorgehen des Erzbistums. Der Beirat soll unter anderem Vorschläge zu Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt durch Priester erarbeiten.

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