Montag, 20.08.2018 10:49 Uhr

11. "Anglühen" in Hinternah

Verantwortlicher Autor: K.-W. Fleißig Hinternah, 17.05.2018, 09:30 Uhr
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Hinternah [ENA] Viel los war Anfang Mai auf dem Festplatz in Hinternah. Die „Schlepper- & Schrauberfreunde Hennebergisches Land Südthüringen e.V.“ hatten ab 10 Uhr wieder zu ihrem alljährlichen und mittlerweile 11. traditionellen „Anglühen“ eingeladen. Schlepper an Schlepper – egal ob groß oder klein, ob alt oder neu – reihte sich dicht gedrängt, wie aufgefädelt, auf dem Festplatz aneinander.

Die Schlepper- und Schrauberfreunde sind „ein Zusammenschluss von Freunden alter Traktoren und Landtechnik, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diese zu erhalten und allen Interessierten vorzuführen“. Der Verein umfasst gegenwärtig 28 Mitglieder. Jedes Mitglied hat mindestens ein Fahrzeug, so der Vereinsvorsitzende Rolf Zetzmann und sein Stellvertreter Manfred Traut. Die Schlepper-Liebhaber kommen aus Hirschbach, Schwarzbach, Breitenbach, Langenbach, Schmiedefeld, Schleusinger-Neuendorf und Gethles. Es gibt bei den Vereinsmitgliedern Fahrzeuge von den vierziger und fünfziger Jahren bis heute.

Aus DDR-Zeiten allerdings gibt es nur wenige Exemplare, in den Sechzigern seien Fahrzeuge auch von den damaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften verschrottet worden und Vorkriegsmodelle seien in die alten Bundesländer gegangen. Man sei froh, von allem etwas da zu haben. Unter den angereisten Fahrzeugen gab es am Dienstag einen Diesel-Trecker der Firma Hagedorn/Westfalia mit dem Baujahr 1938, einer Leistung von 14 PS, einem Hubraum von 1800 Kubikzentimeter und einem Deutz-Motor. Dieses Fahrzeug hat kein Lenkgetriebe, sondern alles läuft über einen Seilzug. Gleich daneben findet der Besucher einen Hanomag RL 20 mit Baujahr 1940.

Er bringt eine Leistung von 19 PS bei einem Hubraum von 1910 Kubikzentimeter und einem 4-Zylinder Dieselmotor. Ein Kontrastbild bot der Fendt Typ 936, Baujahr 2013 mit 360 PS, der von einem Famulus 36 RT 315 mit 36 PS aus DDR-Zeit mit Luftdruckbremsanlage und als erstes Fahrzeug mit sturzssicherer Kabine sowie einem Kramer KL 200 aus den fünfziger Jahren flankiert wurde. Anzutreffen war auch Stephan Grötenherd aus Ratscher mit einem John Deere 710, Baujahr 1968 und einer Leistung von 50 PS sowie einem 4-Zylinder Motor. Eigentlich sollte er als Ersatzteilspender fungieren, wurde aber in den Jahren 2015 bis 2017 neu aufgebaut. Im vergangenen Jahr aufgrund von Motorproblemen noch nicht so in Aktion, ist der Schaden behoben.

„Jetzt läuft er“, meint Stephan Grötenherd. In Familienarbeit, so Timo Fischer aus Schwarzbach, wurde in vier Jahren ein Lanz Bulldog 7506 Baujahr 1938 wieder aufgebaut. Er verfügt über 25 PS bei einem Hubraum von 4767 Kubikzentimeter. Der Motor ist ein „1-Zylinder liegender Kolben“. „Wenig neue Teile standen zur Verfügung“, meinte Timo Fischer. Die Blechteile habe man wieder aufgearbeitet und aus Holland konnte man einen 70 Jahre alten Zylinder beschaffen. Der Kolben wurde in Polen geholt und musste vor einem Einbau noch ausgeschliffen werden. Im Jahr 2013 habe man den Lanz Bulldog mehr oder weniger als Schrott für 14.000 Euro gekauft und noch in etwa 30.000 Euro reingesteckt.

Die Schlepper- und Schrauberfreunde

Der Vorsitzende der Schlepper- und Schraubenfreunde Rolf Zetzmann resümierte mittags, dass man mit dem Zuspruch der Besucher zufrieden sei. Hier bewege man sich auf dem Level der vergangenen Jahre. Von der Schlepperanzahl her allerding habe man bereits schon mehr Freunde mit ihrem Gefährt in Hinternah begrüßen können. Aber, so Zetzmann, ginge der Wind doch ganz schön und die Temperaturen wären für eine längere Fahrt von daheim nach Hinternah sicherlich nicht so prickelnd. Da hätten sich bestimmt einige lieber in das Auto gesetzt und wären als Besucher gekommen. Gegen 13 Uhr gab es eine Ausfahrt von Schleppern und historischer Landtechnik durch Hinternah und schließlich erfolgte eine Verlosung von Tombola-Gewinnen.

Das „Anglühen“ – das Motto des Tages – käme übrigens daher, so der Vereinsvorsitzende Rolf Zetzmann und sein Stellvertreter Manfred Traut, dass alte Lanz Bulldogs nur in Betrieb genommen werden konnten, wenn der Glühkopf angeglüht wurde. „Lanz ist Kult“, sind sich beide einig. Seit ca. drei Monaten habe man sich im Verein auf diesen Tag vorbereitet, einen Verkaufsstand in Eigenregie aufgebaut und die Einladungen an Freunde verschickt. Natürlich hoffte man auf schönes Wetter. Die Sonne schien schon, aber „das Wetter hätte auch wärmer sein können“. Schlepperfreunde an diesem Tag kommen meistens aus den Vereinen, wo man auch selbst zu Treffen hin fährt, so Rolf Zetzmann. „Eine starke Truppe kommt aus Lengfeld“.

Jetzt gehe es Schlag auf Schlag, ein Treffen folge dem anderen. Der Dank des Vorstandes der „Schlepper- & Schrauberfreunde Hennebergisches Land Südthüringen e.V.“ geht an alle, die diesen 1. Mai tatkräftig mit vorbereitet und durchgeführt haben. Da sind beispielsweise die Frauen der Mitglieder, die Kuchen gebacken haben oder die Zusammenarbeit mit der Fleischerei Fratzscher Schleusingen und der Hinternaher Gaststätte „Bierstadl“ soll nicht unerwähnt bleiben. Ihr Können haben auch Mitglieder der Breitenbacher Spinnstube gezeigt und Rundfahrten wurden von den Schlepper- & Schrauberfreunden mit einem entsprechenden Gefährt ebenfalls angeboten.

Eine Sorge allerdings plagt aber Rolf Zetzmann und Manfred Traut. Der gewohnte Festplatz für das „Anglühen“ der Freunde historischer Landtechnik steht ab dem kommenden Jahr nicht mehr zur Verfügung. Also bleibt in den nächsten Monaten zu klären, wo die traditionelle Schau historischer Landtechnik in einem Jahr stattfinden soll. Der Dienstag wurde aber auch genutzt, um den ehemaligen Vereinsvorsitzenden Ronny Kleinschmidt zu verabschieden. Er zieht weiter weg, bleibt aber dem Verein als Mitglied erhalten.

Es war ein buntes Bild an Technik, das sich den Besuchern des 11. Anglühens der „Schlepper- & Schrauberfreunde Hennebergisches Land Südthüringen e.V.“ bot. Es gab Zeit zum Fachsimpeln unter Gleichgesinnten und genügend Gesprächsstoff von Besuchern, die aus Interesse und Neugier an solcher Technik den Weg nach Hinternah gefunden hatten.

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