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Schnappula – Auf den Spuren des C. Richard Denemy

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 20.12.2017, 11:52 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 5358x gelesen
Richard Tauber mit Mercedes Kompressor
Richard Tauber mit Mercedes Kompressor  Bild: Daimler AG, Stuttgart

Wien [ENA] Eine Wortkreation dient künstlerisch begnadeten Menschen bisweilen dazu, ihrem innersten Wesen prägnant Ausdruck zu verleihen. Wer nun vermutet, daß es sich bei „Schnappula“ um derartiges handelt, liegt ganz richtig. Wer aber verbirgt sich hinter C. Richard Denemy?

Diese Frage werden wohl nur intimste Kenner der Opern- und Operettengeschichte des frühen 20. Jahrhunderts ohne Mühe beantworten können. Unter seinem Künstlernamen, mit dem er Weltruhm erlangte, ist es einfacher – denn Richard Tauber ist Musikfreunden, insbesondere jenen, die die Werke Franz Lehars schätzen, nach wie vor ein Begriff, wenn auch nicht so sehr wie einst. Doch könnte sich das demnächst ändern, sind doch zwei per Eigendefinition „Betauberte“ angetreten, dem großen Tenor jene Würdigung zu verschaffen, die ihm zweifellos zusteht.

Die Autoren: Heide Stockinger und Kai-Uwe Garrels

Heide Stockinger und Kai-Uwe Garrels haben mit „Tauber, mein Tauber“ ein Werk geschaffen, das Tauber-Archäologie betreibt. In 22 Essays, in schöner Abwechslung sich entfaltend, entsteht aus unterschiedlichsten Perspektiven, die schon für sich faszinieren, ein umfassendes Bild des Künstlers wie des Menschen Tauber, und Schritt für Schritt – teilweise im Sinne des Wortes, wenn Garrels sich auf Spurensuche in Wien oder Berlin begibt – erschließt sich, warum Tauber auch 70 Jahre nach seinem Tod noch noch neue „Fans“ findet - Betauberte eben.

Wenn man Tauber auch heute primär mit Lehar , dessen „Leibtenor“ er wurde, in Zusammenhang bringt, war er doch ein überaus vielseitiger Musiker. Als Sänger in allen Fächern - von der Oper bis zum Volkslied – zuhause, war er zudem ausgebildeter und praktizierender Dirigent und als Pianist gut genug, daß er keinen Korrepetitor benötigte, um seine Rollen zu studieren und fand daneben noch Zeit, einige Abstecher als Filmschauspieler zu machen. Er sang Opern von Richard Strauss unter dessen Leitung, spielte in der „Fledermaus“ den Eisenstein mit Hans Moser als Frosch und hinterließ gezählte 735 Tonaufnahmen auf Schellack. Norbert Noritz, einen Sammler, der bis auf 10 alle besitzt, hat Garrels in das Buch eingebracht.

So interessant die historischen Fakten sind, die Heide Stockinger in akribischer Kleinarbeit zusammengetragen hat – ein Sänger muß gehört werden. Mittlerweile besteht kein Mangel an CDs und anderen Möglichkeiten, sich einen Eindruck von Taubers Stimme, die sich vor allem durch ein unnachahmliches Piano definierte, zu verschaffen. Dem Leser wird diese Mühe erspart, liegt dem Buch doch eine CD bei, die, dem Buch entsprechend, einen repräsentativen Querschnitt von Wagner und Verdi, Strauss und Leoncavallo bis Kalman und Lehar (und noch einiges mehr) enthält, sodaß eine umfassende Annäherung an Richard Tauber unmittelbar möglich wird.

Was aber ist jetzt eine „Schnappula“? Tauber bezeichnete damit alles, was ihm Vergnügen, in selteneren Fällen auch Mißvergnügen, bereitete. Eine schöne Frau, ein gutes Essen, ein angenehmer Abend – das war eine „Schnappula“. „Tauber, mein Tauber“ von Heide Stockinger und Kai-Uwe Garrels incl. CD. Erschienen bei Bibliothek der Provinz ISBN 978-3-99028-650-0. Weitere Informationen: www.bibliothekderprovinz.at

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