Samstag, 23.09.2017 12:55 Uhr

Orpheus – ein Schwank aus der Unterwelt

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 26.06.2017, 01:42 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 5016x gelesen
Ensemble
Ensemble  Bild: Gregor Nesvadba

Wien [ENA] Vom Neuen geprägt war die diesjährige Saisoneröffnung der Sommerarena Baden: Michael Lakner gab seinen Einstand als Intendant, Ulrike Beimpold übernahm erstmals im Haus die Regie und schuf aus diesem Anlaß auch gleich eine neue Textfassung von Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt".

Diese Neufassung ist durchaus solide und durchdacht. Das Ensemble war mit Freude bei der Sache und bei den Proben wurde wohl viel gelacht. Die Problematik liegt im Inhaltlichen. Denn hier hatte man mehr den Eindruck, einen volkstümlichen Schwank zu sehen denn die feine Ironie, den beißenden Witz, die bitterböse Persiflage, die Offenbach im Grunde ausmacht. Mit derb-brachialer Situationskomik, reichlich simplen Witzchen und dümmlichen Werbezitaten gewinnt das Werk eigentlich gar nichts.

Dabei hatte man Darsteller zur Verfügung, die keine Wünsche offen ließen. Mit Alexandru Badea in der Titelrolle und Ilia Staple als Eurydike standen gewaltige Stimmen auf der Bühne, die auch den letzten Winkel des Hauses füllten. Ein absoluter Höhepunkt war Georgij Makazaria als Jupiter, der in allem authentisch wirkte und sich zu keinerlei Übertreibungen hinreißen ließ, ebenso Gustavo Quaresma als brillant-boshafter Pluto. Der Can-Can – wohl Offenbachs bekannteste Komposition – war eine tänzerische Glanzleistung, das Ballett in Höchstform. Bloß vom Can-Can als solchem, von Form und Stil des Tanzes an sich, war nicht viel übrig. Und ob ausgerechnet Vivienne Westwood die ideale Inspiration für die Kostümentwürfe war, darf man bezweifeln.

Chedirigent Franz Josef Breznik am Pult des wie immer souveränen Orchesters der Bühne Baden wurde diesmal in die Handlung miteinbezogen, was noch einer der besseren Regie-Einfälle war. Ansonsten sieht man sich einer zwiespältigen Aufführung gegenüber, der ihre guten Intentionen zum Verhängnis wurden. Weitere Informationen: www.buehnebaden.at

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