Freitag, 24.11.2017 05:00 Uhr

Musik zum Ratswechsel

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 02.06.2017, 01:34 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 5769x gelesen
Company of Music
Company of Music  Bild: Theresa Pewal

Wien [ENA] Der Rat der Stadt Leipzig – also die Stadtregierung – wurde zu J.S. Bachs Zeiten jedes Jahr neu zusammengesetzt. Aus den auf Lebenszeit gewählten Ratsherrn übernahmen immer andere aktive Agenden, was mit einem Festgottesdienst am Ratswechseltag erfolgte.

Als Thomaskantor war Bach Bediensteter der Stadt und somit verpflichtet, für diesen Gottesdienst eine Festmusik zu liefern. Für ihn bot sich damit eine gute Gelegenheit, seine kompositorischen Fähigkeiten in allen Facetten zur Schau zu stellen, und er nutzte sie in vollem Umfange. Im Rahmen seines Kantaten-Projekts hat Luca Pianca nun mit der Company of Music und dem Ensemble Claudiana drei dieser Ratswahl-Kantaten im Konzerthaus präsentiert, ergänzt durch Bachs Interpretation des Psalms 130 „De Profundis“, der Kantate BWV 131 „Aus der Tiefe“.

Das Ensemble Claudiana wurde für dieses Projekt ins Leben gerufen und setzt sich aus herausragenden Spezialisten für barocke Aufführungspraxis auf zeitgenössischem Instrumentarium zusammen. Fülliger, homogener Klang trotz kleinster Besetzung in den Tutti-Teilen, andrerseits brillante Solopartien – besonders Organist Jeremy Joseph konnte in der Kantate „Wir danken Dir“ BWV 29 mit einer Partie glänzen, die Bach wohl für sich selbst geschrieben hatte – waren es, die dem Zuhörer erlaubten, sich an Bach in dessen eigener Gestalt anzunähern. Die Choristen der Company of Music standen hier um nichts nach, waren stets gut artikuliert und räumlich präsent. Lediglich die Trompeter wurden von einigen kleinen Unsauberkeiten geplagt.

Die Solisten aber wiesen Qualitäten auf, wie man sie sich für Werke des Barock nur wünschen kann: sowohl Joanne Lunn (Sopran) als auch Marie-Claude Chappuis (Alt) waren stilsicher, immer gut verständlich und von der Musik sichtbar bewegt, während Bernhard Berchtold (Tenor) und Georg Nigl (Baß) kräftiges Volumen mit barocker Technik zu guter Hörbarkeit und Textverständlichkeit vereinten. Die Annäherung an jenen Klang, den Bach vermutlich selbst hörte, war jedenfalls gelungen.

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