Freitag, 24.11.2017 05:01 Uhr

Gelungenes Debüt

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 22.04.2017, 01:39 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 5058x gelesen
Hannu Lintu
Hannu Lintu  Bild: Veikko Kähkönen

Wien [ENA] Hannu Lintu, Chefdirigent des Finnischen Radio-Symphonieorchesters, begab sich von seiner finnischen Heimat Helsinki nach Wien, um mit dem „Schwester-Orchester“ seiner Finnen, dem Radio-Symphonieorchester Wien, zu konzertieren. Es war ein überaus gelungener Einstand.

Am Beginn stand die Tondichtung „Feria“ von Lintus Landsmann Magnus Lindberg, entstanden 1995-97. Die gewaltige Tondichtung mit riesigem Orchesterapparat läßt einen gleich an Richard Strauss denken, über das Formale gehen die Parallelen aber nicht hinaus. Lindbergs Klangsprache reizt die Möglichkeiten des Orchesters voll aus, ist so kraft- wie gehaltvoll und tritt an den Zuhörer heran mit dem Anspruch, sich auf den Inhalt des Werkes einzulassen. Zu sagen hat Lindberg jedenfalls genug, und Lintu gelang es mühelos, dies dem Orchester wie dem Publikum zu vermitteln.

Mieczysław Weinberg gehört zu den Komponisten, denen zu Lebzeiten kein Erfolg zuteil wurde. 1996 verstorben, hinterließ er ein reichhaltiges Werk, das erst seit wenigen Jahren vermehrt auf den Programmzetteln zu finden ist. Sein Trompetenkonzert in B, op. 94, ließe kaum seine Entstehungszeit Mitte der 60ger-Jahre vermuten. Eine freie, aber immer vorhandene Tonalität paart sich mit Zitaten von Mendelssohn oder Bizet, auch filmmusikalische Anklänge lassen sich ausmachen. Über all dem steht ein virtuoser Trompeten-Satz, den Sergei Nakariakov souverän darbot und mit tatkräftiger Unterstützung des Orchesters alle dem Werk innewohnende Lebensfreude zum Ausdruck brachte.

Die Vielseitigkeit aller Beteiligten zeigte sich bei Mozarts Hornkonzert in Es, KV 495, das Nakariakov in der autographen Fassung für Flügelhorn spielte. Darauf angesprochen, ob ihm der kurzfristige „Umstieg“ zwischen den musikalischen Welten Schwierigkeiten mache, meinte er, „Aber nein, es sind einfach zwei unterschiedliche Geschichten, die ich erzähle“. Die Stilsicherheit von Solist wie Orchester und Dirigent war jedenfalls klar hörbar, Nakariakov bewältigte die ganz anderen Herausforderungen bei Mozart ebenso problemlos, spielte mit größter Präzision und Transparenz und ließ sich auch im Finalsatz nicht zu halsbrecherischem Renommier-Tempo verleiten. Die von ihm selbst stammende Kadenz im ersten Satz war ein weiterer Höhepunkt.

Beschlossen wurde der Abend mit Jean Sibelius´ „Tapiola“, op. 112, einer Tondichtung, zu der Sibelius die weitläufigen Wälder seiner Heimat inspirierten. Das schwierige Werk forderte das Orchester erneut, doch es zeigte sich auch hier allem gewachsen, was Lintu ihm abverlangte, und so konnten Sibelius´ Stimmungsmalereien dem Publikum nahegebracht werden – keine leichte Sache, ist Sibelius doch ein notorisch schwieriger und unzugänglicher Komponist. Mit einer tadellosen Leistung hat Hannu Lintu jedenfalls ein erfolgreiches Debüt gefeiert. Auf seine nächsten Auftritte darf man gespannt sein.

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