Freitag, 19.07.2019 18:25 Uhr

Gedankenspielerei

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 08.02.2017, 21:00 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 7235x gelesen
Felix Kurmayer/Gerhard Dorfer
Felix Kurmayer/Gerhard Dorfer  Bild: Rolf Bock

Wien [ENA] Oft haben bedeutende Persönlichkeiten der Geschichte gar nicht so weit voneinander entfernt gelebt – und sind einander doch nie begegnet. Die Spekulation, wie es denn hätte sein können, kann sehr reizvoll sein – insbesondere auf der Bühne. Dort trifft Sigmund Freud auf C.S.Lewis.

Zu danken ist das einerseits Mark St. Germain, der "Freuds letzte Sitzung" geschrieben hat, andrerseits Michaela Ehrenstein, die das Werk so faszinierte, daß sie die deutsche Erstaufführung an der von ihr geleiteten Freien Bühne Wieden nahezu im Alleingang ermöglichte. Inszeniert hat Reinhard Hauser, den Dr. Freud gab Gerhard Dorfer und C.S.Lewis verkörperte Felix Kurmayer. Wie also hätte so ein Zusammentrffen verlaufen können zwischen dem gläubigen Katholiken Lewis und dem Atheisten Freud?

Die hier gegebene – fiktive – Antwort gestaltet sich als streitbarer Dialog in der Frage nach Gott, entsprechend dem der ganzen Geschichte zugrunde liegenden Buch „The Question of God“ von Armand Nicholi Jr., der die Argumente beider Parteien einfach gegenüberstellt, ohne eine definitive Klärung auch nur zu versuchen – wohl wissend um ihre Unmöglichkeit. Wozu also das Ganze?

Abgesehen davon, daß man in den Genuß zweier großartiger Schauspieler kommt, die ganz und gar in ihren Rollen aufgehen, eröffnen sich dem, der sich auf die Thematik einläßt, Einsichten, und wie weit diese gehen, hängt allein vom Individuum ab. Wenn Freud beispielsweise meint, der Glaube an einen Schöpfer sei infantil, kann man ihm mit Kant entgegenhalten, das menschliche Erkenntnisvermögen sei eben so beschaffen, daß es hinter allem Geschaffenen einen Schöpfer sucht. Es zeigt sich, daß auch Atheismus eine Form des Glaubens ist, wenn auch einer der Negation, des Nicht-Seins. Die Frage, ob dies vernünftig ist, darf durchaus gestellt werden.

Aufgrund des dicht gedrängten Spielplans mußte das Stück trotz großen Erfolgs abgesetzt werden. Es wird aber im September zu einer Wiederaufnahme kommen. Weitere Informationen hierzu sowie zu den höchst interessanten Produktionen der nächsten Monate sind zu finden unter www.freiebuehnewieden.at.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Photos und Events Photos und Events Photos und Events
Info.