Dienstag, 12.11.2019 19:01 Uhr

Die Macht der Frauen

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Baden bei Wien, 27.01.2017, 21:25 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 7243x gelesen
Bea Robein/Matjaž Stopinšek
Bea Robein/Matjaž Stopinšek  Bild: Christian Husar

Baden bei Wien [ENA] Daß es in Wahrheit nicht die Männer sind, die die Geschicke – im Kleinen wie im Großen – lenken, ist ein Faktum der Geschichte wie des Lebens. Auf der Bühne als Spiegelbild des Lebens wird dieser Umstand daher seit jeher thematisiert, besonders gerne in der Komödie.

Eine der bekanntesten historischen „Strippenzieherinnen“ war die Madame de Pompadour, Maîtresse König Ludwigs XV. Um eine solch schillernde Figur läßt sich freilich allerlei dichten und es verwundert nicht, daß sich ein Meister der musikalischen Komödie ihrer annahm: Leo Fall. Er schuf zusammen mit Ernst Welisch und Rudolph Schanzer eine zündende Revueoperette voll anzüglicher Zweideutigkeiten, großartig in Musik gesetzt.

Ralf Simon/Bea Robein/Thomas Weinhappel

An der Bühne Baden inszenierten nun Volker Wahl und Michaela Ronzoni das Werk mit viel Einfallsreichtum und Liebe zum Detail, mit opulenten Kostümen und wohltuend werktreuem Bühnenbild von Stefanie Stuhldreier. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Oliver Ostermann, und das Orchester der Bühne Baden zeigt wieder einmal, daß es in diesem Genre einfach zu Hause ist.

Teils bekannte, teils neue Solisten stehen auf der Bühne, allesamt sorgfältig besetzt, stimmlich überzeugend und als Charaktere glaubwürdig. Bea Robein in der Titelrolle ist eine verführerische Erscheinung, ihr Sopran steht dominierend im Raum; sie erscheint ihrem König (Ralf Simon) zumindest ebenbürtig. Matjaž Stopinšek steht ihr als abenteurlustiger René, der seiner Madeleine (Rita Peterl) wegen übermäßigem Eheglück entwichen ist, mit ebenso präsenter Stimme gegenüber, und als Buffo-Paar gefallen Christiane Marie Riedl (Belotte) und Thomas Weinhappel (Calicot), wobei Belotte ihre Interessen im Kleinen ebenso durchsetzt wie die Pompadour im Großen.

Artur Ortens/Robert R. Herzl

Den sich immer "schläuer" als alle anderen wähnenden Polizeiminister Maurepas setzt Artur Ortens mit viel lachhafter Überheblichkeit – und so umso witziger – in Szene, ist er doch noch dümmer als sein Spitzel Poulard (Robert R. Herzl). Daß es mit Maurepas noch zu einem guten Ende kommt, hat er auch nur der Mme. de Pompadour zu verdanken, die ihm sein Intrigenspiel nachsieht und ihn in die Privatwirtschaft abschiebt. Beppo Binder als Haushofmeister und Robert Sadil als österreichischer Gesandter komplettieren das komische Quartett.

Viele reizvolle Kleinigkeiten, gepaart mit Komik so alt wie das Theater selbst (und immer noch wirksam) sorgen für einen Abend voller Heiterkeit und niveauvoller Unterhaltung. Robert Herzl würde zufrieden lächeln. Weiter Informationen: www.buehnebaden.at

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