Donnerstag, 22.06.2017 14:11 Uhr

Der Weg aufs Podium

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 29.04.2017, 13:24 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 4465x gelesen
Ralf Weikert
Ralf Weikert  Bild: Oli Rust

Wien [ENA] Der Dirigent. Er ist ein Musiker ohne Instrument (wiewohl er im Regelfall mehrere beherrscht). Dem Konzertbesucher ist er es, dem alles zu verdanken ist. Die Musiker, vor denen er steht, gehorchen ihm, obwohl sie ihn nicht immer mögen. Im Idealfall ist er der Mittler zwischen Komponist und Zuhörer.

Tatsächlich ist die Dirigententätigkeit hochkomplex. Sie erfordert weit mehr als „nur“ musikalische Kompetenz. Wer ein guter Dirigent sein will, muß Organisationstalent haben, Einfühlungsvermögen, Flexibilität und muß vor allem belastbar sein. Wie aber sieht der Weg aus, der an jenen zentralen Punkt im Konzertsaal führt, der aller Augen auf sich zieht? Ralf Weikert, österreichischer Dirigent von Weltrang, hat versucht, dies in seinem Buch „Beruf Dirigent“ umfassend darzulegen.

In zehn Kapiteln, verteilt auf knapp 200 Seiten, ist ihm etwas gelungen, woran es oft mangelt: in wenigen Worten viel zu sagen. Er behandelt in diesem für die Komplexität seiner Thematik kurzen Traktat alle wesentlichen Punkte, die sich dann zu einem umfassenden Berufsbild zusammenfügen. Wenn das nun etwas trocken und wenig künstlerisch klingt, so ist das durchaus beabsichtigt, denn die Kunst mag das Zentrum jeder musikalischen Betätigung sein – gerade bei Dirigenten kommt aber eine gar nicht so kurze Reihe anderer Dinge hinzu, die auf den ersten Blick banal erscheinen mögen, den reibungslosen Ablauf eines Konzertabends oder einer Opernaufführung jedoch erst möglich machen.

Darauf geht Weikert genauso ein wie auf musikalische und persönliche Voraussetzungen, nötige Erfahrungen am Anfang der Karriere, aufführungspraktische Überlegungen bei Mozart und Verdi, Wagner und Richard Strauss, die Wichtigkeit der korrekten Orchestersitzordnung und die Probleme, die unverständige Regisseure verursachen. Immer wählt er einen möglichst objektiven Standpunkt, der den Komponisten und das Werk in den Mittelpunkt stellt, und spart auch nicht mit Kritik, wo diese angebracht ist.

Über 50 Jahre im Beruf führten Weikert unter anderem zu den Salzburger Festspielen, an die Wiener Staatsoper, die Oper Zürich, die Metropolitan Opera New York und die Arena di Verona sowie in die bedeutendsten Konzertsäle rund um den Globus. Daß er seine Anschauungen und Einsichten hier so offen und klar mitteilt, eröffnet einen Blick auf die Mechanismen des Zustandekommens dessen, was den Opern- und Konzertbetrieb ausmacht, der Außenstehenden sonst nicht möglich ist. Jungen Musikern, die sich mit dem Gedanken tragen, diesen Weg einzuschlagen, wird verdeutlicht, worauf sie sich einlassen, was ihnen vielleicht hilft, die richtige Entscheidung zu treffen.

Ralf Weikert: Beruf Dirigent. Erschienen bei böhlau Verlag ISBN: 978-3-205-20530-2

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