Donnerstag, 22.06.2017 14:12 Uhr

Berliner Luft

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 13.05.2017, 17:13 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 4050x gelesen
Gedenktafel an Linckes Wohnhaus in Berlin
Gedenktafel an Linckes Wohnhaus in Berlin  Bild: OTFW (gemeinfrei)

Wien [ENA] Sein Name ist verbunden mit Berlin wie wenige sonst – sogar ihre „Stadthymne“ schrieb er den Berlinern. Doch auch international war er als Komponist wie als Dirigent erfolgreich und hatte maßgeblichen Anteil an der Verbesserung des Urheberrechts in Deutschland. Sein Name war Paul Lincke.

Wenn es auch heute primär die „Berliner Luft“ oder das „Glühwürmchen-Idyll“ ist, das ihn vor dem Vergessen bewahrte, ist Lincke doch eine facettenreiche Künstlerpersönlichkeit, die hierüber weit hinausgeht. Hineingeboren in das deutsche Kaiserreich blieb er Berlin – und vor allem den Berlinern – zeitlebens verbunden und zugetan, was soweit ging, daß er lieber mit der Straßenbahn fuhr als mit dem Auto, um den Kontakt zu seinen Mitbürgern nicht zu verlieren. Dennoch wirkte er zwei Jahre in Paris bei den Folies Bergéres, und seine mitreißenden Schlager fanden auch in der anglo-amerikanischen Welt viel Anklang.

Privat war er ein für seine Zeit nicht untypischer Lebemann, dessen Liebschaften immer gleich alt blieben, während er älter wurde. Er betrieb einen Musikverlag und bemühte sich außerordentlich um die Verbesserung des Urheberrechts in Deutschland, was nicht nur ihm selbst zum Vorteil gereichte – an den Grundlagen der heutigen Regelungen wirkte er maßgeblich mit. Daß er sich von den Nationalsozialisten hofieren ließ, die ihn in seinen späten Jahren noch einmal populär machten, mag man ihm vorwerfen – eine Parteimitgliedschaft, bei Vielen so heiß begehrt, lehnte er jedenfalls ab, und in den Chor der Hetzer wollte er auch nicht einstimmen. Im Herzen war Linkcke wohl bis zu seinem Tod Monarchist.

Den so vielschichtigen, interessanten Menschen Paul Lincke umfassend zu dokumentieren, hat Jan Kutscher in seinem Buch „Paul Lincke – Sein Leben in Bildern und Dokumenten“ sehr erfolgreich unternommen. Detailliert spricht er über die zahlreichen Werke Linckes; man erfährt beispielsweise , daß die „Berliner Luft“ in der ursprünglichen „Frau Luna“ gar nicht vorkam, die als Einakter konzipiert war. Seine „Anpassungsfähigkeit“ an die wechselnden Zeiten war groß, wenn es auch immer eine gewisse Grenze zu geben schien, die nur relativ wenige „Gefälligkeitskompositionen“ hervorbrachte. Und was sein Verhältnis zur Steuerbehörde angeht, war es mit jeder Gefälligkeit vorbei.

All das und noch vieles mehr findet sich in Kutschers Buch, das in seiner Akribie durchaus wissenschaftlichen Standards entspricht, aber dennoch gut lesbar ist und ein Kapitel der Musikgeschichte behandelt, das oft vernachlässigt wird: denn Lincke schuf durchaus das, was zu seiner Zeit Unterhaltungsmusik war. Wie unberechtigt der nach wie vor schlechte Klang dieses Begriffs ist, zeigt sich an wenigen Beispielen deutlicher. Jan Kutscher: Paul Lincke – Sein Leben in Bildern und Dokumenten.Verlag Schott ISBN 978-3-7957-1084-2 www.schott-music.com

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