Montag, 17.12.2018 11:36 Uhr

Aufstrebendes Talent

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 04.04.2017, 03:59 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 5551x gelesen
Johannes Zeinler
Johannes Zeinler  Bild: Lukas Beck

Wien [ENA] Die Entwicklung einer Musikerpersönlichkeit läuft auf unterschiedlichen Ebenen in ebenso unterschiedlichen Geschwindigkeiten ab. Die einzige einigermaßen beeinflußbare dieser Ebenen ist jene der technischen Fertigkeiten. Hier kann man es, Fleiß und Talent vorausgesetzt, relativ schnell weit bringen.

Johannes Zeinler hat ohne Zweifel beides, was ihm bereits mehrfach erste Preise international renommierter Orgelwettbewerbe einbrachte, zumeist als jüngster Teilnehmer. Gerade einmal 24 Jahre alt, studiert er derzeit noch an der Wiener Musikuniversität, dennoch steht er bereits voll im internationalen Konzertbetrieb. Im Wiener Radiokulturhaus präsentierte er im Rahmen der Jeunesse ein Programm mit Schwerpunkt französische Orgelromantik und klassische Moderne, mit einer Triosonate von Bach als Hommage an den organistischen Übervater. Unterstützt wurde er von der Sopranistin Claire Elizabeth Craig.

An seinen technischen Kompetenzen bestanden niemals Zweifel, weder bei Louis Viernes Orgelsymphonie in e, op. 20, noch bei Messiaens Stücken aus dem Livre d´Orgue – „Les yeux dans les roues“ gehört zu den schwierigsten Werken der Orgelliteratur, ein Höllenritt für jeden Organisten. Bachs Triosonate in C, BWV 529, steht dem nicht viel nach, wenn die Schwierigkeiten auch andere sind. Die luftig-leichte Transparenz der Ecksätze kam durch eine nicht ganz optimale Registrierung nicht voll zur Geltung, kleine Unsauberkeiten ließen sich nicht verbergen.

Ganz allgemein aber wirkte Zeinler seltsam unbeteiligt. Er spulte sein Programm souverän herunter, von Emotionen irgendwelcher Art war aber nichts zu bemerken. Daß die Werke auch einen über den Notentext hinausgehenden Inhalt haben, konnte nicht vermittelt werden. Vielleicht fehlt dem jungen Mann einfach die Zeit, sich eingehender mit den Kompositionen zu befassen, vielleicht ist er zu beschäftigt, seine Emotionen zu ordnen und kontrolliert einfließen zu lassen. Wenn dem so ist, sollte man es eventuell etwas langsamer angehen lassen, sich Zeit nehmen und geben zur künstlerischen und persönlichen Reifung, denn eines ist klar: ein so großes Talent muß gehegt und gepflegt werden. Es könnte sonst allzu leicht verbrennen.

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