Freitag, 24.11.2017 05:00 Uhr

Ansteckende Leidenschaft

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 23.04.2017, 03:16 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 4994x gelesen
Sakari Oramo
Sakari Oramo  Bild: Benjamin Ealovega

Wien [ENA] Von all den Komponisten, die im Laufe der Musikgeschichte aufgetreten sind, hat es nur ein geringer Teil geschafft, „kanonisiert“ zu werden. Zu ihren Lebzeiten waren viele angesehen und erfolgreich, dennoch konnte ihre Musik die Zeiten nicht überdauern.

Das hat oft gar nicht so sehr mit der Qualität zu tun – doch Geschmäcker ändern sich, und manche Musik ist so sehr an ihre Entstehungszeit gebunden, daß sie nachfolgenden Generationen eben nichts mehr zu sagen vermag. Rued Langgaard (1893-1952) stand immer im Schatten seines berühmten Zeitgenossen Carl Nielsen. Er reüssierte als Organist und Pianist, als Komponist war er Autodidakt und schuf monumentale Werke – unter anderen 16 Symphonien, oft mit einem übergeordneten Thema -, wobei er Erfolge vor allem im Ausland hatte. Zu einem wirklichen Durchbruch kam es aber nie.

Daraus erklärt sich, daß es auch mehr als 100 Jahre nach der Entstehung noch zu Erstaufführungen kommt – wie nun mit dem Wiener Philharmonikern unter Sakari Oramo, der Langgaards 2. Symphonie „Vårbrud“ (Frühlingserwachen) im Wiener Konzerthaus aufführte. Stilistisch ganz im Übergang der Hoch- zur Spätromantik beheimatet, war das Werk zur Zeit seiner Entstehung – 1912-14 – aber schon veraltet, obwohl man ihm weder handwerkliche noch musikalische Qualitäten absprechen kann. Am zutreffendsten wäre wohl „Symphonische Salonmusik“.

Die, wie gesagt, durchaus vorhandenen Qualitäten brachte Oramo zum Klingen, im Finale unterstützt von der Sopranistin Anu Komsi, die mit kräftig-voluminöser, wohlgerundeter Stimme keine Probleme hatte, sich gegen den großen Orchesterapparat durchzusetzen. Daß die Sätze an sich weniger miteinander als mit dem übergeordneten Thema zu tun haben, ist eine weitere Eigenheit Langgaards.

Janine Jansen ist eine ausgesprochen leidenschaftliche Geigerin. Mehr noch, ihre Leidenschaft ist ansteckend. Wenn sie die Bühne betritt und ihre Stradivari ertönt, steht sie ganz im Bann der Musik, was sich unmittelbar auf die Zuhörer überträgt. Daß ein Werk wie Tschaikowskis Violinkonzert ihr hier besonders entgegenkommt, ist klar – und ebenso, daß alles, was sie auf die Bühne bringt, auch tatsächlich ihrem innersten Empfinden entspricht. Alle Schwierigkeiten, die Tschaikowski hier hineinpackte, bewältigte sie mit souveräner Leichtigkeit, bei der Kadenz herrschte im Saal totale Stille, als mit größter Reinheit die höchsten Töne erklangen.

Oramo war ihr mit den Philharmonikern, in deren Händen 1881 schon die Uraufführung unter Hans Richter lag, ein entgegenkommender Begleiter, der der Solistin ein sicheres und tragfähiges Fundament bot. Apropos Philharmoniker: vielleicht sollte man in Erwägung ziehen, die Sitzordnung der Uraufführung wieder herzustellen. Die ersten und zweiten Geigen links und rechts vom Dirigenten zu plazieren, ist musikalisch wesentlich sinnvoller, als sie alle links nebeneinander zu setzen.

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