Samstag, 23.09.2017 12:54 Uhr

Adel verpflichtet

Verantwortlicher Autor: Dominik Lepuschitz Wien, 06.06.2017, 03:51 Uhr
Presse-Ressort von: Dominik Lepuschitz Bericht 5404x gelesen
Nitsche/Paryla-Raky/Leyrer/Hirschler
Nitsche/Paryla-Raky/Leyrer/Hirschler  Bild: Rolf Bock

Wien [ENA] Olympia ist seit 11 Jahren Witwe. Beim Kuraufenthalt mit ihrer Mutter verliebt sie sich in einen jungen Offizier. So weit, so gut. Doch Olympia gehört zum Hochadel, während der Rittmeister ein Bürgerlicher ist - „nicht einmal ein ´von´“, so die Verwandte Gräfin Lina.

Das ist also die Ausgangslage von Franz Molnárs „Olympia“. Als Komödie bezeichnet, gibt es wohl zahlreiche komische bis groteske Momente, doch wirklich zum Lachen ist einem am Ende kaum zumute. Entstanden 1928, übt Molnár beißende Kritik an einer Art Selbstverständnis, das nur auf die äußerliche Wahrung der Form hinausläuft, den Inhalt aber nicht mehr kennt. Der Rittmeister erteilt den feinen Herrschaften zwar eine Lektion – geholfen ist damit aber niemandem.

Leyrer/Schefts

Als diesjährige Produktion der Sommerspiele Schloß Sitzenberg ist es vor allem ein grandioses Ensemble, das den Abend so sehenswert macht. Edith Leyrer brilliert als Fürstin Eugenie mit all ihren komischen Nuancen und bringt eine Präsenz auf die Bühne, der man sich nicht entziehen kann. Stephan Paryla-Raky als Fürst Plata-Ettin läßt sich von ihr freudig herumkommandieren, während Susanna Hirschler und Gerhard Dorfer als Lina und Albert mit endlosen Sticheleien dafür sorgen, daß es nicht allzu harmonisch wird im Familienclan. Gertrude Öllerer schließlich ist als mindere Baronin gerade gut genug als Bedienstete für die Plata-Ettins und für Heiterkeit sorgt Michael Schefts als treuer, etwas unbeholfener Gendarmerie-Oberstleutnant Krehl.

Das junge, eigentlich tragische, Paar Olympia und Barna findet glaubwürdige Verkörperung in Tina Nitsche und Boris Popovic, Nitsche als verhärtete, nicht mehr ganz junge Adelige, der es unmöglich ist, über ihren Schatten zu springen und ihrem Herzen Raum zu geben, Popovic als grundanständigem, ehrlichen Offizier, der sich erst als Verbrecher ausgeben muß, damit Olympia eine Annäherung zulassen kann, und dem, nachdem er der „guten Gesellschaft“ einen Spiegel vorgehalten hat, nur mehr übrigbleibt, zu gehen. Olympia hingegen bleibt ihrem Stand unbeschadet erhalten.

Intendant Martin Gesslbauer hat in Personalunion Bühnenbild und Regie übernommen und seine hochkarätige Besetzung zu einer soliden Aufführung geleitet. Die kluge Stückauswahl, kombiniert mit dem ansprechenden Ambiente, nicht zu vergessen Molnárs gepflegt-geschliffene Sprache, ergeben einen genußvollen Theaterabend. Weitere Informationen: www.schloss-sitzenberg.at/

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