Freitag, 24.11.2017 05:00 Uhr

Neues Gesetz zum Schutz vor Radon

Verantwortlicher Autor: Friedrich Scheuerecker Zorneding, 19.08.2017, 17:55 Uhr
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Radon ist ein Bauproblem
Radon ist ein Bauproblem  Bild: Friedrich Scheuerecker

Zorneding [ENA] Der Europäische Rat hat im Jahr 2014 eine neue Richtlinie „zur Festlegung grundsätzlicher Sicherheitsnormen für den Schutz vor den Gefahren einer Exposition gegenüber ionisierender Strahlung“ veröffentlicht. Die Richtlinie enthält u.a. Regelungen zu Radon in Gebäuden und an  Arbeitsplätzen.

Sie muss binnen 4 Jahren in nationales Recht umgesetzt werden. In 2018 tritt nunmehr das „Gesetz zur Neuordnung des Rechts zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung“ vom 27.Juni 2017 mit dem Teil 4, Kapitel 2 „Schutz vor Radon“ in Kraft. Bringt es Klarheit und eine Handlungsvorgabe für den Schutz der Bevölkerung? Voraus bemerkt, der einzige klare Eckpunkt ist eine Art „Empfehlung“ mit einer maximalen Bandbreite in der Umsetzung. Wie erwartet wurde kein Grenzwert, sondern ein Referenzwert für einen Jahresmittelwert der Radon-222-Aktivitätskonzentration in Aufenthaltsräumen, mit 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft festgelegt.

Ein Referenzwert ist nicht gleichbedeutend mit einem Grenzwert der nicht überschritten werden dürfte, sondern ein Wert oberhalb dessen eine Exposition als unangemessen betrachtet wird. Hierzu ist es interessant zu wissen, dass die Konzentration von Radon in Gebäuden starken jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist. Dies ist in den Temperaturdifferenzen und der daraus resultierenden Konvektion begründet, welche ein Eindringen von Radongas in den Baukörper begünstigt. Anders ausgedrückt: In der Heizperiode ist mit deutlich höheren Konzentrationen zu rechnen. Verschärft wird das Problem durch eine immer dichter werdende Bauweise mit verringerten Luftwechselraten.

Künftig werden in Deutschland durch die zuständigen Behörden Maßnahmengebiete ausgewiesen, in denen zu erwarten ist, dass die Radonkonzentration im Jahresmittel und in einer beträchtlichen Zahl von Gebäuden den Referenzwert überschreitet. Für die, im Erd- oder Kellergeschoss eines Gebäudes liegenden Arbeitsplätze in den betroffenen Gebieten gilt dann eine Messpflicht. Die Kriterien und Verfahren für die Festlegung der Gebiete durch die Behörden werden von den Regierungsstellen vorgegeben. Sollte die Geologie ein wesentliches Kriterium darstellen, ist folgendes zu bemerken: Der Bauuntergrund mit seinem geogenen Potential ist ein gewichtiges, aber kein ausschließendes Kriterium für die Risikoeinschätzung.

Es gibt nominell keine radonfreien Gebiete, lediglich die zu erwartenden Konzentrationen in der Bodenluft unterscheiden sich. Experten warnen deshalb vor einer zu starken Gewichtung in der Aussage von „Radonkarten“. Denn, die Exposition von Radon ist im wesentlichen ein Bauproblem.   Bei zu errichtenden Bauten sieht das Gesetz vor, die üblichen Maßnahmen zum baulichen Feuchteschutz einzuhalten. Ansonsten der Verweis auf behördlich eventuell festzulegende Maßnahmen in ebenfalls möglicherweise festzulegenden, sich zeitlich und räumlich veränderbaren Gebieten, in denen diese dann gültig sind. Ergänzt durch im Einzelfall anwendbare Zumutbarkeits- und Härtefallregeln.

Der Schwerpunkt des Strahlenschutzgesetzes bei Bestandswohnungen liegt auf der Aufklärung der Bevölkerung „in geeigneter Weise“ durch eine Bundesbehörde und die zuständigen Behörden der Länder; ergänzt durch Handlungsempfehlungen für freiwillige Maßnahmen. Es besteht eine gewisse Rechtsunsicherheit, wie miet- und werkvertragliche sowie kaufrechtliche Wirkungen zu erwarten sind. Offen ist, inwieweit die Gerichte die Überschreitung von Referenzwerten als Mangel einstufen werden.

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