Samstag, 21.04.2018 11:49 Uhr

WEC Prolog: Überwiegend positives Fazit der Teams

Verantwortlicher Autor: Markus Faber Le Castellet (FRA), 07.04.2018, 21:18 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Auto und Motorsport +++ Bericht 3574x gelesen
Toyota vorne Virage
Toyota vorne Virage  Bild: Markus Faber

Le Castellet (FRA) [ENA] Am heutigen Samstagnachmittag 16 Uhr ging der zweitätige Test-Marathon zu Ende. Beim ersten Aufeinandertreffen während des offiziellen Prologs der World Endurance Championship (WEC) in Le Castellet drehten die 35 Fahrzeuge ihre Runden auf dem südfranzösischen Formel-1 Kurs.

Für diesen Dauertest waren 13 Fahrzeuge gemeldet, die Gunst der Stunde durch die laue Sommernacht von Freitag auf Samstag zu fahren haben überwiegend der neue BMW M8 und der Aston Martin genutzt. BMW absolvierte mit der # 82 einen Longrun, der aber nach 682 Runden aufgrund technischer Probleme vorzeitig endete. Der Aston Martin #95 schaffte in 30 Stunden 852 Umläufe. Für die Teilnahme am 30-Stunden-Test, der am Freitag um 10:00 Uhr begann und am Samstagnachmittag um 16:00 Uhr endete, waren für die Teams pro Fahrzeug zusätzlich 4.000 Euro fällig.-Eine günstige Gelegenheit für solch einen Dauertest. Rebellion schickte den neuen R13 mit Gibson-Motor erstmals öffentlich auf die Strecke.

Die Schweizer stellten zum Aufgalopp nur ein Fahrzeug für alle sechs Piloten zur Verfügung. Auch Toyota hatte für ihre fünf Piloten (darunter auch der Österreicher Alex Wurz) nur einen TS050 Hybrid für die Nacht parat. Die Japaner zeigten eine beeindruckende Vorstellung, beide Toyota führten das LMP-1 Klassement mit einem Vorsprung von über vier Sekunden an. Die beiden TS050 Hybrid treten gegen LMP1-Konkurrenz an, die 69% mehr Treibstoff verbrauchen dürfen. Das neue Reglement gesteht den privaten LMP1-Teams, die ohne Hybridtechnologie antreten, einen Energieverbrauch von 210.9 MJ je Runde in Le Mans zu. Die beiden TS050 sind dagegen auf 124.9MJ begrenzt, wovon 8MJ auf den Hybridantrieb entfallen.

Auch die Treibstoff-Durchflussmenge wurde für den TS050 HYBRID eingeschränkt, sie wurde auf 80 Kg/h reduziert, während der Konkurrenz 110 Kg/h zugestanden wird. Zusätzlich dürfen die nicht über Hybridantrieb verfügenden LMP1-Rennwagen 45 Kg leichter antreten. Trotzdem dominierten die Japaner die private Konkurrenz. Die Bestzeit von Sebastian Buemi (CHE) mit #8 war um satte fünf Sekunden schneller als die Referenzzeit aus dem Jahr 2016, als die WEC zuletzt ihren Prolog auf dem Circuit Paul Ricard absolvierte. Aber wie sich später herausstellte,war es für Toyota auch ein Test der neuen Equivalence of Technology (EoT) in der LMP-1.

Die privaten Teams SMP, Manor, DragonSpeed, ByKolles lockte Toyota mit einem Trick aus der Reserve, um die wahre Performance der konkurrierenden Autos zu sehen. Sie betrieben ihre TS050 bis Freitagnachmittag 17:00 Uhr deutlich außerhalb der vom Reglement vorgeschriebenen Werte. Als offiziellen Grund für das Fahren mit mehr elektrischer Energie und erheblich erhöhtem Benzindurchfluss begründete Toyota mit einem Test eines veränderten Kühlsystems. Das erklärt warum Mike Conway (GBR) am Freitag eine Rundenzeit von 1:32.662 Minuten in den Asphalt brannte. Das Schwesterauto in der Le-Mans-Konfiguration absolvierte einen 5,9 Kilometer langen Umlauf in Le Castellet in 1:34.655 Minuten.

Nach dem Wechsel in das vom Regelwerk festgelegten Betriebsfenster fuhren die Toyotas erheblich langsamere Rundenzeiten. Der TS050 mit der #7, der in Le Castellet einen erfolgreichen Longrun über 30 Stunden und 839 Runden (4.858 Kilometer) absolvierte, lag in seiner Performance nach 17:00 Uhr am Freitag stets in einem Bereich zwischen 1:38 und 1:41 Minuten. Zum Vergleich: Witali Petrow (RUS) realisierte im schnellen Dallara-BR1-AER von SMP eine Rundenzeit von 1:37.034 Minuten. Über Longruns waren die Privatteams oft in einem ähnlichem Bereich wie Toyota unterwegs. Begegnen sich das Werksteam Toyota und die privaten Teams auf Augenhöhe?

Ist der Vorsprung auf die konkurrierenden Teams, die mit erheblichen Vorteilen in den Wettbewerb gehen dürfen, nicht so groß ist wie vom ACO und FIA vielleicht zunächst angenommen? Einerseits gingen die Teams immer mehr auf Longruns, auf der anderen Seite sorgten ein starker Gegenwind auf der langen Mistral-Geraden und ein kurzer Regenschauer am frühen Morgen für schlechtere Bedingungen auf der Strecke. An der Reihenfolge der Teams änderte sich im Vergleich zum ersten Tag im Verlauf der Nacht und des Samstags nur noch sehr wenig. In der LMP2-Kategorie war das Racing Team Nederland mit dem Dallara-Gibson am fleißigsten. Lammers, van der Garde und Teamfinancier van Eerd umrundeten den Kurs in Südfrankreich 325 mal.

Die neue WEC-Mannschaft beendete den Prolog auf dem vierten Rang. Die Bestzeit ging an Ex-Formel-1-Pilot Pastor Maldonado in Diensten von DragonSpeed. Die Abstände innerhalb der Klasse waren auch hier erwartungsgemäß gering. In der GTE-Kategorie waren die beiden Porsche 911 RSR von Lietz/Bruni und Christensen/Estre auch zum Ende der Testfahrten immer noch an der Spitze, dahinter folgten die beiden Ford GT. Das erste WEC-Rennen der Saison findet am 5. Mai auf der Ardennenachterbahn im belgischen Spa-Francorchamps statt. Da wird sich zeigen, was die Testergebnisse wert sind.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.